Man hat über das Internet eine Bestellung aufgegeben, den Kaufpreis bereits gezahlt und wartet nun sehnsüchtig auf den Erhalt der Ware. Doch statt des gewünschten Päckchens befindet sich einige Zeit später eine Benachrichtigungskarte im Briefkasten, dass sich Ihre Sendung beim Zollamt befindet und dort abgeholt werden kann.

1. Voraussetzungen der direkten Auslieferung

Grundsätzlich gilt für sämtliche Postsendungen aus einem Nicht-EU-Land, dass diese zollamtlich abgefertigt werden müssen. Regelmäßig passiert dies bereits durch die Deutsche Post AG bzw. den Kurierdienst in Vertretung des Empfängers. Anschließend erfolgt dann die ganz „normale“ Auslieferung, unter Umständen mit Abgabenentrichtung direkt beim Briefträger. Diese Vorgehensweise ist allerdings an das Vorliegen folgender Voraussetzungen geknüpft:

-    entstehen überhaupt keine Abgaben, erfolgt die direkte Auslieferung immer dann, wenn die Sendung keine  Waren      enthält, die Verboten oder Beschränkungen unterliegen

-      falls Abgaben entstehen, muss insbesondere der Wert der Sendung glaubhaft dargelegt werden. In der Regel             geschieht dies durch eine (glaubwürdige) Rechnung.

2. Abholung beim Zollamt

Sollte sich im Rahmen einer Überprüfung zumindest der Verdacht ergeben, dass die o.g. Voraussetzungen nicht erfüllt sind, kann keine direkte Auslieferung erfolgen. Genau in diesen Fällen ist dann das Päckchen regelmäßig beim jeweiligen Zollamt abzuholen.

Bereits auf der Benachrichtigungskarte befindet sich oftmals der Hinweis auf hierfür vorzulegende Unterlagen wie Rechnungen, PayPal-Auszüge etc. Ohne die entsprechenden Unterlagen ist eine Abholung regelmäßig nicht möglich.

3. Einschränkungen

In Einzelfällen ist die Herausgabe der Sendungen auch bei Vorlage von Unterlagen ausgeschlossen – insbesondere wenn für die Versendung bzw. den Empfang der maßgeblichen Ware bestimmte Einschränkungen oder gar Verbote bestehen. Solche können sich beispielsweise aus dem Arzneimittelgesetz oder aus marken- oder artenschutzrechtlichen Regelungen ergeben.

4. Abgaben – Zölle und Steuern

Abhängig von der Art und dem Wert der Ware können Abgaben in Form von Zöllen und Steuern entstehen, die regelmäßig bei Abholung von Ihnen zu entrichten sind und damit den eigentlichen Kaufpreis deutlich erhöhen. Auch ein vermeintliches Schnäppchen kann dann schnell zu bösen Überraschungen führen

Sollten für Ihre Sendungen Abgaben anfallen, bestimmen sich diese zum einen aus dem sog. Zolltarif, zum anderen aus den Steuergesetzen. Während es für unterschiedliche Waren unterschiedliche Zollsätze gibt, beträgt die Einfuhrumsatzsteuer grundsätzlich immer 19 %.

Bei Sendungen mit einem Wert von bis zu EUR 22 fallen grundsätzlich weder Zölle noch Einfuhrumsatzsteuer an, bis zu einem Wert von EUR 150 entfällt zwar der Zoll, die Einfuhrumsatzsteuer wird allerdings fällig.

Diese Grenzen, und damit auch die Befreiung von den Einfuhrabgaben, gelten nicht für Waren wie Tabak, Alkohol oder Parfüms. Für Kaffee gilt die weitere Besonderheit, dass zwar keine Einfuhrabgaben erhoben werden, die nationale Kaffeesteuer aber dennoch fällig wird.

5. Praxistipps

Die auf der Benachrichtigungskarte vermerkte Frist zur Abholung des Pakets sollte unbedingt eingehalten werden. Anderenfalls entstehen nicht nur Kosten für die Lagerung, sondern Ihre Ware wird zurück an den Versender geschickt.

Auch wenn es auf den ersten Blick verlockend wirken mag, die anfallenden Einfuhrabgaben durch Nichtangabe des Originalpreises, sondern eines deutlich geringeren zu „reduzieren“, sollten Sie weder die Berufserfahrung der Zöllner noch die (straf-)rechtlichen Folgen eines solchen Vorgehens unterschätzen. Auch die Beamten des Zolls verfügen über einen Internetzugang, der ihnen eine Recherche über den Wert der Ware ermöglicht. Sollten Sie falsche Angaben über diesen Wert machen, kann darüber hinaus gegen Sie ein Strafverfahren wegen (versuchter) Steuerhinterziehung eingeleitet werden.

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